Wiehltalbrücke soll befahrbar bleiben

Informationen aus erster Hand rund um Gegenwart und Zukunft der Wiehltalbrücke bot am Montag eine Veranstaltung der Stadt Wiehl – mit Fachleuten der Autobahn GmbH und von Straßen.NRW.

Wie groß das Interesse an dem Thema ist, zeigte ein Blick in den Saal des Stadtteilhauses Drabenderhöhe: Knapp 500 Interessierte waren gekommen, um den Stand der Dinge zu erfahren. „Der starke Besuch zeugt von einer Betroffenheit, die über Weiershagen und die Region hinausgeht“, sagte Bürgermeister Ulrich Stücker zur Begrüßung. Er bedankte sich ausdrücklich bei Willi Kolks, Leiter der Außenstelle Köln der Autobahn GmbH, dass er und sein Team bereit waren, vor Ort zu informieren. „Sie wollen Transparenz schaffen“, lobte der Bürgermeister.

Auch Willi Kolks zeigte sich beeindruckt von der Gästezahl. Er nutzte die Gelegenheit, an die Speditionsunternehmen zu appellieren, keine überschweren Lkw über die Brücke zu schicken – um so das Bauwerk zu schützen. Zudem stellte er klar, dass sich die Autobahn GmbH auch mit dem Fall einer möglichen Vollsperrung befasst hat – „der hoffentlich nie eintritt“, so Kolks. Wobei der Begriff in der Veranstaltung relativiert wurde. „Wir haben nie über eine Totalsperrung gesprochen“, erklärte Anja Estel, Leiterin des Kompetenzzentrums Verkehrszentrale Leverkusen: „Es geht vielmehr um eine Vollsperrung für den Schwerverkehr über 3,5 Tonnen.“

Doch gegen dieses Worst-Case-Szenario möchte die Behörde angehen: mit technischen Hilfsmitteln, die zu schwere Lkw von der Brücke fernhalten sollen. Geplant ist, in den nächsten zwei Monaten ein „telematisches Ausleitsystem“ zu installieren. Mit Hilfe der Technik werden fahrende Lastwagen vermessen; sollte das System eine Gewichtsüberschreitung feststellen, wird der Fahrer auf großen Schildern aufgefordert, die Autobahn zu verlassen – so beschrieb Anja Estel die Funktionsweise. Darüber hinaus soll über CB-Funk-Warner an der Strecke auf das geltende Abstandsgebot hingewiesen werden: in acht Sprachen. Laut der Expertin ist CB-Funk bei Lkw weiterhin verbreitet.

Weniger Gewicht und mehr Abstände zwischen einzelnen Lkw: So soll die Brücke während der Instandsetzungsarbeiten geschützt werden. Die sollen bis Ende 2028 abgeschlossen sein, erläuterte Detlev Epstein, Abteilungsleiter Brückenbau bei der Außenstelle Köln – mit dann wieder vier nutzbaren Spuren. Den Gästen im Saal erläuterte er technische Details zum Bauwerk, das 1971 gebaut worden, 750 Meter lang und 30 Meter breit ist. „Damals gab es eine Art Wettbewerb zwischen Ingenieuren, wie man mit möglichst wenig Stahl eine Brücke bauen kann“, berichtete er. Mit negativen Folgen für heute, wie das Schadensbild zeigte, das Epstein skizzierte.

Alle Anstrengungen folgen dem Ziel, weiterhin den Verkehr über die Brücke führen zu können. So lange, bis ein Neubau die Probleme löst. „Wir stehen noch ganz am Anfang des Planungsprozesses“, erläuterte Andreas Früh, Projektleiter des Geschäftsbereichs Planung der Autobahn-GmbH-Außenstelle Köln. Derzeit laufe die Grundlagenermittlung. Danach folgen die Planung eines Entwurfs, die Ausführungsplanung und schließlich der Bau. „Vielleicht können wir im Lauf des nächsten Jahres etwas zeigen, das eine Vorzugsvariante darstellt“, so Früh. Ansonsten weist der Zeitstrahl zur Realisierung in Richtung Mitte der 2030er-Jahre.

„Wir wollen aber auf jeden Fall in engem Austausch bleiben mit der Stadt und bei Meilensteinen wieder gezielt informieren“, betonte Außenstellenleiter Willi Kolks. „Im Planungsprozess ist auch Ihre Ortskenntnis gefragt“, wandte er sich ans Publikum. Selbst über Grundstücksfragen könne bereits gesprochen werden: „In manchen Fällen wissen wir auch jetzt schon, welche Grundstücke wir tangieren.“ So gab es im Anschluss an die Info-Veranstaltung für Betroffene Gelegenheit, mit den Ansprechpartnern der Autobahn GmbH zu reden.

Auf einen möglichen „Worst Case“ zielen die aktuellen Aktivitäten des Landesbetriebs Straßen.NRW: Um auf den schlimmsten Fall vorbereitet zu sein, sollen etwaige Umleitungsstrecken bereits in Kürze ertüchtigt werden, wie Matthias Bergmann und Stefan Böhm von der Regionalniederlassung Rhein-Berg ausführten. Böhm zeigte eine Reihe von Bauprojekten an neun Stellen in der Kreismitte auf. Schon in den nächsten Osterferien geht es an die Sanierung der L 336 in Weiershagen, der Weiershagener Straße. Auch am Forster Berg sollen Deckensanierungen folgen.

Bürgermeister Ulrich Stücker lobte den inhaltlich gehaltvollen Verlauf der Veranstaltung, an der auch viele Wiehler Ratsmitglieder, Vertreter der Kreispolizei sowie Dezernentin Birgit Hähn als Vertreterin des Oberbergischen Kreises und Michael Sallmann, Leiter der Zweigstelle Gummersbach der Industrie- und Handelskammer Köln, teilnahmen. „Ich wünsche mir weitere Termine dieser Art, wenn es wieder etwas Wichtiges mitzuteilen gibt“, so der Bürgermeister ins seinem Schlusswort.

Mehr Infos: Projektseite zur Wiehltalbrücke
Der Vortrag der Autobahn GmbH zum Herunterladen

Kategorien:

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert