Rund 120 Gäste waren der Einladung der Volksbank Oberberg nach Wiehl gefolgt, um den langjährigen Vorstandsvorsitzenden Ingo Stockhausen nach 45 Berufsjahren in den Ruhestand zu verabschieden.

Wegbegleitern, Mitarbeitenden und seiner Familie für die gemeinsame Zeit. Fotos : Katharina Hein
Unter den Gästen befanden sich Wegbegleiter aus der genossenschaftlichen FinanzGruppe, ehemalige Vorstandsmitglieder, Vorstandskollegen benachbarter Volks- und Raiffeisenbanken, kommunale Vertreterinnen und Vertreter sowie Persönlichkeiten aus Wirtschaft und Gesellschaft. Trotz sommerlicher Temperaturen war der Saal bis auf den letzten Platz gefüllt – ein sichtbares Zeichen der hohen Wertschätzung für einen Mann, der die Volksbank Oberberg seit 1999 als Vorstandsmitglied und seit 2007 als Vorstandsvorsitzender geprägt hat.
Wie groß diese Anerkennung ist, zeigte sich in den zahlreichen Grußworten. Ob Aufsichtsrat, Bundesbank, DZ BANK, Nachbarbanken, Betriebsrat oder Vorstand – alle zeichneten unabhängig voneinander das Bild eines bodenständigen, verlässlichen und integer handelnden Bankers, der Verantwortung übernommen, Menschen zusammengeführt und seine Heimat stets im Blick behalten hat.
„Für dich stellte sich nicht die Frage, ob du das für deine Bank tun würdest“, sagte der Aufsichtsratsvorsitzende Dr. Udo Meyer mit Blick auf das Jahr 2024. Nach dem plötzlichen Tod des designierten Vorstandsvorsitzenden Frank Dabringhausen hatte Stockhausen seinen bereits geplanten Ruhestand mehr als zwei Jahre verschoben, um die Volksbank Oberberg durch diese außergewöhnliche Situation zu führen.
Meyer würdigte eine Laufbahn, die vom Auszubildenden bis an die Spitze der Bank führte, und sprach von einer über Jahrzehnte gewachsenen Zusammenarbeit, die von Offenheit, Vertrauen und gegenseitigem Respekt geprägt gewesen sei. Gleichzeitig dankte er Stockhausen dafür, die Nachfolge mit Andreas Neumann, Jörn Richling und Marc Gottschlich frühzeitig vorbereitet und damit die Weichen für die Zukunft gestellt zu haben.
Ein Höhepunkt der Feierstunde war die Auszeichnung mit der Goldenen Ehrennadel des Deutschen Genossenschafts- und Raiffeisenverbandes (DGRV) – eine der höchsten Ehrungen des deutschen Genossenschaftswesens. Überreicht wurde sie von Dr. Cornelius Riese, Vorstandsvorsitzender der DZ BANK. Er würdigte Stockhausen als „sehr erfolgreichen Genossenschaftsbanker“ und als wichtigen Mitgestalter der genossenschaftlichen FinanzGruppe. Stockhausen hinterlasse eine hervorragend aufgestellte Volksbank Oberberg, die tief in der Region verwurzelt sei und sich durch eine außergewöhnliche Nähe zu Mitgliedern und Kunden auszeichne.

Deutschen Genossenschafts- und Raiffeisenverbandes (DGRV)
Besonders hob Riese hervor, dass Stockhausen über viele Jahre Verantwortung weit über die eigene Bank hinaus übernommen habe – unter anderem im Aufsichtsrat der DZ BANK, im Verbandsrat des Bundesverbandes der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken sowie in weiteren Gremien der genossenschaftlichen FinanzGruppe. Seine Kolleginnen und Kollegen hätten ihn in der Vorbereitung der Laudatio mit zwei Worten beschrieben: „Absolut klasse.“
Auch Christian Otto, Präsident der Hauptverwaltung Nordrhein-Westfalen der Deutschen Bundesbank, stellte die enge Verbundenheit Stockhausens mit dem Oberbergischen in den Mittelpunkt. Die Volksbank Oberberg sei weit mehr als ein Finanzdienstleister. Sie sei Partner der Menschen und Unternehmen vor Ort und damit ein wichtiger Stabilitätsfaktor für die Region. Stockhausen habe ihm in den gemeinsamen Jahren nicht nur die wirtschaftlichen Besonderheiten des Oberbergischen nähergebracht, sondern sich auch als geschätzter Gesprächspartner im Beirat der Bundesbank eingebracht. „Sie haben nie die Bodenhaftung verloren“, sagte Otto und beschrieb ihn als Menschen, der für Integrität, Transparenz und Nachhaltigkeit stehe.

Banker und engagierten Vertreter des genossenschaftlichen Gedankens.
Für die Vorstandskollegen der benachbarten Volks- und Raiffeisenbanken sprach Thomas Büscher. Er erinnerte an die vertrauensvolle Zusammenarbeit in der Bezirksvereinigung Bergisches Land und beschrieb Stockhausen mit Eigenschaften, die seinen Vornamen widerspiegelten: integer, nahbar, glaubwürdig und offen. Besonders in Erinnerung geblieben sei ihm, dass Vertrauen nicht in großen Worten entstehe, sondern „im gemeinsamen Gespräch und im aufrichtigen Austausch“. Als Sinnbild dafür schilderte Büscher eine gemeinsame Wanderung durchs Oberbergische, zu der Stockhausen die Vorstandskollegen eingeladen hatte, weil der persönliche Austausch für ihn immer wichtiger gewesen sei als formale Sitzungen.
Die Perspektive der Mitarbeitenden brachte Betriebsratsvorsitzender Kevin Wirth ein. Für viele Beschäftigte sei Stockhausen der einzige Vorstandsvorsitzende gewesen, den sie in ihrer beruflichen Laufbahn erlebt hätten. „Sie haben unserer Bank nicht nur Führung gegeben, sondern ein Gesicht“, sagte Wirth. Als Zeichen der Wertschätzung überreichte der Betriebsrat ein eigens angefertigtes Gemälde: Es zeigt Ingo Stockhausen neben seinem Traktor vor der Hauptstelle in Wiehl, während die Mitarbeitenden aus den Fenstern und vom Balkon winken – in Trikots. Ein bewusst gewähltes Detail, denn Stockhausen habe die Belegschaft stets als „seine Mannschaft“ bezeichnet.
Persönlich wurde es auch in der Ansprache seines Nachfolgers Andreas Neumann. Er erinnerte daran, dass Stockhausen ihn einst selbst eingestellt habe und aus dem Auszubildenden schließlich ein Vorstandskollege und nun sein Nachfolger geworden sei. „Du hast Menschen zusammengebracht, Teams geprägt und Gemeinschaft ermöglicht“, sagte Neumann. Gerade darin liege das eigentliche Vermächtnis seines Vorgängers: eine Unternehmenskultur, geprägt von Vertrauen, Wertschätzung und Zusammenhalt.

Zum 1. Juli übernimmt Neumann den Vorstandsvorsitz der Volksbank Oberberg.
Als schließlich Ingo Stockhausen selbst ans Rednerpult trat, richtete er den Blick nicht auf seine eigene Leistung. Stattdessen nutzte er die Gelegenheit, um sich zu bedanken: bei Aufsichtsrat, Vorstand, Mitarbeitenden, Kunden, Vertretern, den Partnern der genossenschaftlichen FinanzGruppe, den Kommunen und vor allem bei seiner Familie. Immer wieder betonte er, dass die Entwicklung der Volksbank Oberberg nur als Gemeinschaftsleistung möglich gewesen sei. „Alles, was wir geschafft haben, war nur gemeinsam möglich“, sagte er.
Einen besonderen Akzent setzte Stockhausen mit einer persönlichen Bitte, die er bereits im Vorfeld seiner Verabschiedung ausgesprochen hatte: auf persönliche Geschenke zu verzichten. Die stattdessen eingegangenen Zuwendungen ermöglichen nun eine Spende in fünfstelliger Höhe an die Bürgerstiftung Wiehl, mit der Projekte für Lebensqualität und Kultur in der Region unterstützt werden sollen.
Zum Abschluss fand Stockhausen Worte, die seine gesamte Laufbahn treffend zusammenfassten: „Es war mir stets eine große Freude und ein riesiges Privileg, Vorstand dieser Bank in meiner Heimat sein zu dürfen.“ Mit diesem Satz endete nicht nur eine bewegende Feierstunde, sondern auch ein Kapitel der Geschichte der Volksbank Oberberg. Verantwortung, Vertrauen und die enge Verbundenheit mit den Menschen der Region prägten Ingo Stockhausens Wirken über Jahrzehnte und werden die Volksbank Oberberg auch über seinen Abschied hinaus begleiten in den Ruhestand.

Feierstunde zur Verabschiedung von Ingo Stockhausen im Forum Wiehl teil.
Schreibe einen Kommentar