Rätselhafte Gäste in der „Mausefalle“

Mit Agatha Christies „Mausefalle“ zeigt das Ensemble des Schau-Spiel-Studio Oberberg wieder mal eine gelungene und überaus spannende Inszenierung. Unter der Regie von Michael Labs, der eine hervorragende Besetzung für die einzelnen Rollen gefunden hat, ist das Stück von Anfang bis Ende voll Spannung.

Es schneit kräftig, als Mollie und Giles Ralston ihr Gästehaus „Monkswell Manor“ eröffnen. Der eigenartige, manchmal durchgedrehte Christopher Wren ist der erste Gast im Haus. Mrs. Boyle sorgt mit ihrer ständigen Nörgelei für Unruhe. Auch die seltsame Miss Casewell wirkt sehr etwas seltsam, ist introvertiert und hart. Ebenso undurchschaubar ist Major Metcalf. Einziger unangemeldeter Pensionsgast ist der manchmal etwas unheimlich erscheinende, sarkastische Mr. Paravicini. Voll von seiner Aufgabe erfüllt ist Sergeant Trotter, der als Polizist die Morde zu klären versucht und jeden Verdächtigen auf das penibelste unter die Lupe nimmt. Trotter informiert die Eingeschlossenen, dass die Adresse der Pension im Notizbuch des flüchtigen Mörders von Maureen Lyon (Silke Faber) gefunden worden ist. Im Notizbuch hat man außerdem einen Hinweis auf das Kinderlied „Drei blinde Mäuse“ entdeckt und an die Leiche geheftet einen Zettel mit der Aufschrift „Das war die erste“. Der Täter ist flüchtig und die Polizei hat die Fahndung aufgenommen. Die Spur führt genau in das Gästehaus „Monkswell Manor“, das zu einer „Mausefalle“ wird. Denn nicht nur weitere Mordopfer, sondern auch der Mörder selbst sind hier durch den Schneesturm gefangen. Einen dunklen Mantel, einen weichen, hellen Schal und einen Hut soll der Mörder getragen haben – und im Flur der Pension hängt mehr als ein dunkler Mantel. Jeder ist verdächtig, aber: wer ist das nächste Opfer, wer der Mörder?

Zurückversetzt in die 1950er Jahre spielen die Darsteller des Wiehler Theaters das Stück mit viel Herzblut und jeder in seiner Rolle sehr beeindruckend. Sei es Marcel Wirths, der dem Christopher leicht schwule exzentrische Züge gibt. Thomas Knura als Major im Schottenrock ist die Hintergründigkeit selbst. Die erboste und ewig unzufriedene Mrs. Boyle hätte nicht besser besetzt werden können – Bärbel Stinner ist perfekt in dieser Rolle. Auch das junge Pensionsehepaar wird von Anna Pflitsch und Colin Knura hervorragend dargestellt. Bei Ralph Puschs Paravicini-Auftritte bekommt das Publikum entweder einen Schauer ob seiner unheimlichen Bemerkungen oder muss unwillkürlich lachen, wenn er sich als „der Mann, der aus der Kälte kam“ bezeichnet. Ausdrucksstark Linda Göbel als Miss Casewell. Sehr facettenreich ist Christian Klingbeil in seiner Rolle als Sergeant Trotter. Sehr gewissenhaft in seinen Ermittlungen ist der Skifahrende Polizist. Bald ist jeder verdächtig und jeder scheint einen Grund zum Morden zu haben. Spannend wird es, als die „Mausefalle“ nochmals zuschnappt.

Bei diesem Agatha Christie Stück ist die Spannung bis zum Schluss garantiert. Sie schrieb es 1947 zunächst als Radiohörspiel – extra zum 80. Geburtstag von Queen Mary. Später arbeitete Christie es zu einem Kurzkrimi und dann zu einem Bühnenstück in zwei Akten um. „Die Mausefalle“ gilt als der Krimi-Klassiker schlechthin mit der längsten Laufzeit der Theatergeschichte. Das Stück wird ohne Unterbrechung seit 1952 im Londoner St. Martin’s Theatre aufgeführt. Im Schau-Spiel-Studio Wiehl hat Michael Labs „Die Mausefalle“ hervorragend inszeniert.
Wer wissen möchte, wer der Mörder ist, kann die Aufführungen noch an folgenden Terminen besuchen:
26.10. (18 Uhr), 29.+31.10. (20 Uhr), 01.11. (20 Uhr), 02.11. (18 Uhr), 05.+07.+08.11. (20 Uhr), 09.11. (18 Uhr), 12.+14.11. (20 Uhr) sowie 16.11. (18 Uhr).

Vera Marzinski

Die Bilderserie wird präsentiert mit freundlicher Unterstützung durch:

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Fotos: Christian Melzer

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