Shakespeares „Romeo & Julia“ überzeugt

Die Geschichte ist alt – uraufgeführt 1595 in London. William Shakespeares Tragödie über die Liebesgeschichte zweier Jugendlicher aus Verona aus zwei verfeindeten Familien ist nach wie vor eines der meist gespielten Werke der Weltliteratur. Eine Metapher für eine Liebe, die nicht sein soll – und dadurch noch größer erscheint. Mit „Romeo & Julia“ in der Bearbeitung von Christoph Biermeier bringt Regisseur Raimund Binder eine sehr gelungene Inszenierung mit jungen Schauspielern in einer jungen Fassung auf die Bühne des Schau-Spiel-Studio Oberberg.

Foto: Melzer

Die Spielvariante, die Binder für die Wiehler Inszenierung von „Romeo und Julia“ gewählt hat, ist im Grunde genommen eine Szenenkollage aus „Romeo und Julia“, die von Christoph Biermeier zusammengestellt wurde. Der Text ist auf sechs junge Leute zugeschnitten und lässt viel Raum zur Improvisation offen. Es ist eine verkürzte und kompakte Darstellung des Stückes. „Romeo & Julia“ ist ein junges Stück mit jungen, frischen Darstellern. Nur Jörn Wollenweber in der Rolle des Tybalt ist seit Jahren im Ensemble des Schau-Spiel-Studio Oberberg und immer eine sichere Bank – egal was er spielt, er gibt seinen Rollen immer viel Ausdruck und Charisma. Regisseur Raimund Binder sagt über einen guten Schauspieler „Er muss sich das Weinen genauso glauben wie das Lachen. Wenn er die Situation nicht ernst nimmt, dann nimmt das Publikum das, was er tut, auch nicht ernst.“ Ernst nehmen kann das Publikum im Schau-Spiel-Studio Oberberg besonders Colin Knura, der den Romeo mit viel Hingabe spielt. Ihm nimmt man die Verzweiflung, die Traurigkeit ebenso ab, wie die Freude und Verliebtheit. Binder hat hervorragend besetzt bei diesem Stück. Und so ist es kein Wunder, dass jeder in seiner Rolle diese so ziemlich auf den Punkt bringt. Einige mit anfänglicher Zurückhaltung, aber auch Florian Tillmann als Mercutio – der frivole Freund Romeos kennt keine Tabus und hat die Lacher meist auf seiner Seite – und Luna Schwab (gerade mal 16 Jahre alt) als Anne steigern sich immer mehr beim Premierenabend. Ebenso die junge Julia-Darstellerin Felina Erdmann – hin- und hergerissen zwischen Verspieltheit, Verliebtheit und grenzenlose Verzweiflung. Als verbindendes Glied zwischen den Familien Montague und Capulet und somit zwischen Romeo und Julia Priester Lorenzo, gespielt von Sebastian Hein.

Außerordentlich auch die Kampfszenen. Diese Stunts geben den Szenen viel Dynamik und sind perfekt einstudiert. Mit wenigen Elementen kommt das Bühnenbild aus. Drei rechteckige, anthrazitfarbene Kästen dienen als Sitz, Begrenzung oder Mauerzinnen. Eine kleine Bühne auf der Bühne ist Kampfplatz, Schlafstätte oder Familiengruft. Auch die Musik ist perfekt ausgewählt – diverse Stücke des Quartetts VSQ (Vitamin String Quartet), die Klassik und Moderne mischen, hat Binder teilweise in mehrere Tonspuren übereinander gelegt und so passt die Musik sowohl zu melancholischen Parts im Stück, als auch zu Kampfszenen. Es ist bezeichnenderweise das tödliche Duell zwischen Julias Cousin Tybalt und Romeos Freund Mercutio, wodurch die tödlichen Verstrickungen ausgelöst werden – nicht die für die Betreffenden so entscheidende erste Begegnung von Romeo und Julia. Aber die beiden stehen natürlich im Mittelpunkt.

In 2016 jährt sich der Todestag von William Shakespeare zum vierhundertsten Mal. Ein Anlass, um dem großen, englischen Barden mit „Romeo & Julia“, seiner Tragödie um das berühmteste Liebespaar der Weltliteratur, auch auf der Wiehler Bühne die Reminiszenz zu erweisen – und das ist außerordentlich gut gelungen.

Weitere Termine:
So. 28.02. 18 Uhr / Mi. 02.03. 20 Uhr / Fr. 04.03. 20 Uhr / Sa. 05.03. 20 Uhr / So. 06.03. 18 Uhr / Mi. 09.03. 20 Uhr / Fr. 11.03. 20 Uhr / Sa. 12.03. 20 Uhr / So. 13.03. 18 Uhr / Mi. 16.03. 20 Uhr / Fr. 18.03. 20 Uhr / Sa. 19.03. 20 Uhr / So. 20.03. 18 Uhr

Vera Marzinski

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Fotos: Christian Melzer

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