Ein „Grenzenlos“-Konzert auf Schloss Homburg

Wieder einmal wurde Schloss Homburg zur prächtigen Konzertkulisse. Gespielt wurden Kompositionen von Bach bis zu Tschaikowsky. Aber das war noch nicht alles. Das Quartett „Uwaga!“ sorgte mit seinen Arrangements und seiner ungehemmten Improvisationsfreude dafür, dass die Werke der klassischen Großmeister und anderen einen neuen Charakter bekamen.

Foto: Christian Melzer

Der sehr eigene Sound von „Uwaga!“, der irgendwo zwischen Klassik, Jazz, Gipsy und modernem Pop verschmilzt, mischte sich grandios mit der Klangfarbe des Kammerorchesters. So zeigte sich das diesjährige „Klassik Open Air“ auf Schloss Homburg wahrhaft grenzenlos. Das Folkwang-Kammerorchester Essen unter der Leitung von Johannes Klumpp ging mit „Uwaga!“ auf der Bühne eine tollkühne musikalische Liaison ein. Crossover Deluxe – besser hat Grenzüberschreitung nie geklungen.

Die Aussage von Dirigent Johannes Klumpp gleich nach dem ersten Stück des Folkwang-Kammerorchesters Essen sagte eigentlich alles. Ganz außer Atem verkündete er strahlend „Sie merken, das ist Musik die Spaß macht!“. Die Musik waren „Fünf griechische Tänze für Streichorchester“ von Nikos Skalkottas, der zu der Meisterklasse des 12-Ton-Technik-Entwicklers Arnold Schönbergs gehörte und griechische Volksmusik zu Kunstmusik umkomponierte. Schon hier war das Motto des Abends zu hören. Denn „Grenzenlos“ – durch das Übergreifen der Genres – startete das Konzert im Schlosshof. Dazu stellte Klumpp die Frage, wo nun die Grenze zwischen U- und E-Musik sei. Die vier Musiker von „Uwaga!“ überschritten da so manche Grenze. Christoph König (Violine, Viola), Maurice Maurer (Violine), Miroslav Nisic (Akkordeon) und Matthias Hacker (Kontrabass) standen dem Kammerorchester an Spielfreude mit nichts nach. Sehr ergreifend ihre „Violinsonate e-moll“ von Wolfgang Amadeus Mozart im Arrangement von Maurice Maurer. Brillant und überzeugend gespielt. Was nicht verwundert, wenn man weiß, dass es sich hier um einen virtuosen klassischen Violinisten mit Vorliebe für osteuropäische Gipsy-Musik handelt. Dazu ein Jazzgeiger mit Punkrock-Erfahrung, ein meisterhaft improvisierender Akkordeonist mit Balkan-Sound im Blut und ein Bassist, der sich in Symphonieorchestern ebenso zu Hause fühlt, wie in Jazzcombos oder Funkbands.

Noch so ein Grenzgänger war Béla Bartok, der rumänische Volkstänze sammelte und sie auf seine eigene Art umsetzte für Streichorchester. Denn die schönsten Tänze hat er aufgeschrieben, transkribiert und sie in seine Musik einverleibt. Dies präsentierte das Folkwang Kammerorchester Essen grandios und zeigte, dass es für Konzerte auf höchstem Niveau steht. Entstanden ist das Orchester vor 60 Jahren aus der bis heute verfolgten Idee, Abschlussstudenten auf professionellem Niveau in das Berufsleben zu begleiten. Es besteht aus 16 Absolventen und Studierenden nordrhein-westfälischer Musikhochschulen, die dem Ensemble bis zum Alter von 35 Jahren angehören können. Wenn dann noch so ein enthusiastischer Dirigent das Ganze leitet, ist es kein Wunder, dass so ein Orchester den Funken überspringen lässt. Original und Fälschung – gleich zwei Mal Mozarts „Eine kleine Nachtmusik“. Der erste Satz der Serenade vom Folkwang Kammerorchester und eine ganz neue Variante von Uwaga-Violinist Christpoh König. Eine dritte Version als letztes Stück des Konzertes: „Violinkonzert A-Dur Türkisch“ zu Mozarts Nachtmusik in einem Arrangement von Maurice Maurer. Die Grenzüberschreitung der U- und E-Musik wurde zu einer brillanten Crossover-Mischung. Dirigent Johannes Klumpp befand „Es gibt nicht U und nicht E – es gibt nur gute oder schlechte Musik“. Und wo beim Klassik-Open-Air auf Schloss Homburg sich normalerweise das Vogelgezwitscher in die klassische Musik mischt, war von den kleinen gefiederten Schlossbesuchern nichts zu hören – offensichtlich waren auch sie begeistert von diesem Ausnahme-Klassik-Open-Air. Zudem wies Klumpp auf das besondere Element des Regens bei diesem Konzert hin, der sich leider zur Pause dazugesellte. Mit Vivaldis „Sommer“ als Zugabe stoppte das nasse Beiwerk allerdings schlagartig und mit einem witzigen Chopin-Stück in der Bearbeitung von Christoph König endete der sehr kurzweilige und grandiose Konzertabend auf Schloss Homburg. Dafür gab es für alle Musiker Blumen von Landrat Jochen Hagt und Schloss Homburg Museumsdirektorin Gudrun Sievers-Flägel.

Vera Marzinski

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Fotos: Christian Melzer

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