Elternfede gegen Lehrerin Frau Müller

Mit „Frau Müller muss weg“ hat das Schau-Spiel-Studio Oberberg eine der meistgespielten Komödien der letzten Jahre auf die Bühne in Wiehl gebracht. Peter Kirchner inszenierte das Stück von Autor Lutz Hübner und Co-Autorin Sarah Nemitz mit einem sechsköpfigen Ensemble.

Foto: Christian Melzer

Frau Müller, Pädagogin aus Leidenschaft, mit Prinzipien und langer Berufserfahrung, steht im Visier der erbosten Eltern – und schlägt zurück. Silke Faber spielt diese Rolle fabelhaft. Johannes Schima ist im Stück der verzweifelte Vater, der mehr Angst vor dem Zeugnis hat als seine Tochter, und neben seiner Ehe mit einer der Mütter angebändelt hat. Almut Irmscher nimmt man die Esoterik-Bioladen-Mutter, die ständig mit ihrem Ehemann – Colin Knuro („Macho und Arschkriecher – eine unwiderstehliche Kombination“ – beides überzeugend dargestellt) – streitet, ab. Gabi Bülter spielt die selbsternannte, fordernde Elternsprecherin, die als Beamtin so ihre Prinzipien hat sehr authentisch. Sehr diplomatisch und zurückhaltend die Rolle der alleinerziehenden Mutter mit Musterschüler – hervorragend umgesetzt von Beate Breiderhoff. Im Stück haben die Eltern Angst, dass ihre Kinder aufgrund schlechter Noten nicht auf die gewünschte weiterführende Schule gehen können. Für die Misere kann nur eine verantwortlich sein und das ist Frau Müller, die Klassenlehrerin. Da sind sich die erbosten schnell einig: „Frau Müller muss weg!“Nach dem Aufeinanderprallen der ungleichen Parteien verlässt Frau Müller aufgewühlt das Schlachtfeld. Was die nicht minder erregten Eltern zu ihrer internen Schlacht treibt. Da zeigt sich, wie die Solidarität tatsächlich ist. Und dann hat Frau Müller auch noch ihre Tasche stehen lassen. Sind da die Noten drin? Und ändern die etwas an der Entscheidung der Eltern?

Elternabende werden offensichtlich zur Kampfarena. Denn Eltern kämpfen nicht nur um ihre Kinder sondern auch für sich selbst. So Mancher unter den Zuschauern musste hinter gestehen, dass er sich da ein bisschen selbst erkannte. Beim Elternabend in „Frau Müller muss weg“ gerieten die unterschiedlichen Elterntypen aneinander – der ehrgeizige arbeitslose Vater, das zerstrittene Elternpaar mit dem an ADS (Aufmerksamkeitsdefizit-Syndrom) leidenden Sohn und die Mutter des Musterschülers. Zwei Punkte bringen Eltern zur Explosion – die Kritik am eigenen Kind und Kritik an den eigenen Erziehungsmethoden. Die Figuren sind im Stück voller Witz gezeichnet. Humorvoll wird mit den gängigen Aversionen gegen Pädagogen, Lehrpläne und das deutsche Bildungssystem gespielt. Mit spielfreudigen Darstellern wird dies im Schau-Spiel-Studio Oberberg auf die Bühne gebracht. „Frau Müller muss weg“ wurde 2010 am Dresdner Staatsschauspiel uraufgeführt. Filmregisseur Sönke Wortmann inszenierte das Stück zunächst am Berliner GRIPS Theater bevor er daraus 2014 eine sehr erfolgreiche Verfilmung in die Kinos brachte.

Die Inszenierung am Schau-Spiel-Studio Oberberg ist noch an folgenden Terminen zu sehen:
Mi. 25.01./ Fr. 27.01. / Sa. 28.01. (jeweils 20 Uhr) / So. 29.01. (18 Uhr) / Mi. 01.02. / Fr. 03.02. / Sa. 04.02. (jeweils 20 Uhr) / So. 05.02. (18 Uhr) / Mi 08.02. / Fr. 10.02. und Sa. 11.02. (jeweils 20 Uhr) / So. 12.02. (18 Uhr).

Vera Marzinski

Die Bilderserie wird präsentiert mit freundlicher Unterstützung durch:

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Fotos: Christian Melzer

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