„De Plattstrünkßer“ – Wiehler Heimatverein gründet Mundartgruppe

Die Mundartgruppe „De Plattstrünkßer“ möchte durch regelmäßige Treffen das Wiehler Platt erhalten und fördern.

Mit Engagement und guter Laune sind „De Plattstrünkßer“ am Gründungsabend am 18. August in Wiehl zusammengekommen. Von links: Ingrid Kader, Dieter Wirths, Karin Wenzlaff, Hans-Jörg („Emma“) Stoffel und Iris Trespe. Foto: Heimatverein Wiehl / A. Trespe

„Oah joah! Watt woar datt enn Bedriev!“ – Sätze wie diese, sind im Wiehler Sprachgebrauch selten und wohl nur noch bei der Ü60-Bevölkerung zu hören.

Die Zahl der Dialektsprecher und -versteher des „Hommersch Platt“ befindet sich im Sinkflug. Während in den Wiehler Bergdörfern die Mundart hier und da noch gesprochen wird, kommt sie im Wiehler Stadtgebiet praktisch nicht mehr vor.

„Unser Dialekt kann nur überleben, wenn er regelmäßig gesprochen und gehört wird“, sagt Iris Trespe vom Vorstand des Wiehler Heimatvereins. Sie hat daher die Mundartgruppe „De Plattstrünkßer“ ins Leben gerufen: „Wir wollen nicht nur Texte auf Platt konservieren, sondern unseren Dialekt und die damit verbundenen ‚Wiehler Geschichten‘ lebendig erhalten.“

Mit diesem Anliegen stößt die studierte Germanistin auf aktive Unterstützer im Wiehler Heimatverein. Ingrid Kader, Dieter Wirths, Karin Wenzlaff und Hans-Jörg („Emma“) Stoffel sind mit dem Wiehler Platt groß geworden. Sie sprechen und verstehen „ihre“ Sprache als Muttersprache und engagieren sich ebenfalls für deren Erhalt.

„In meinem Heimatdorf Angfurten habe ich als Kind noch oft ‚Platt‘ gehört, deshalb verstehe ich relativ viel und kann auch ein bisschen strunkßen“, sagt Iris Trespe. „Aber bei Redewendungen wie ‚Hä kriet sê jeklästerbellt‘ (Er wird verhauen), wird es eng.“

Gerade die regional typischen Bezeichnungen sorgen denn auch am Gründungsabend am 18. August 2022 für regen Austausch und Belustigung. Auf dem Tisch stapeln sich Bücher, Texte in Mundart, Schwarz-Weiß Aufnahmen und alte Postkarten.

Beim Dialektsprechen kommen auch viele (Alltags-)Geschichten aus dem „alten“ Wiehl zu Tage, etwa wenn Dieter Wirths auf Platt berichtet, wie sich die Fußballjungen nach dem Turnier an der Wiehl in bereitgestellten Eimern wuschen. Der Ur-Wiehler hat das alte Stadtbild fest vor Augen. Er erzählt von Schlittenfahrten den Friedhofsberg hinunter zur Hauptstraße und heute bebauten ehemaligen Fußpfaden zwischen den Häusern des Oberdorfs.

Ingrid Kader hat unter anderem die Geschichten der Wiehler Traditionsfamilien Weber und Zimmermann abgespeichert und kennt deren verwandtschaftliche Beziehungen. Die Älteren der Plattstrünkßer wissen auch noch genau, wer in den fünfziger Jahren in welchem Haus in Wiehl gewohnt hat und wo Geschäfte und Handwerksbetriebe angesiedelt waren. Das wird anhand der Fotos und Postkarten gemeinsam nachvollzogen und bestätigt: „Hieh ungen ahn der Wieehl wohr enn Schuster. Bie demm hann mer als Kinger de Maschinen sauber jemaaht. Doför kräjem mer 5 Penning!“

Nicht weit davon wurde die verschmutzte Kleidung im Flüsschen gewaschen. Auch Bilder vom Bismarckturm, als beliebtem Ausflugsziel, und das traditionelle Heimatfest „opp der Engelhardt“ weckt Erinnerungen: „Für uus Bäuerder chroof ett doh enn lang Stang, doh kunn mer drahn klimmen. Datt dähen mer cheern, denn chanz oahwen hingen Würschtjer drahn.“

Beim Stöbern in alten Mundart-Texten diskutieren die „Plattstrünkßer“, welche Ausdrücke sich aus den Nachbarorten „hineingemogelt“ haben – hier ist Dieter Wirths Experte, etwa beim Wort „Mehl“: „Datt iss Billsteener Platt. Die sahten ‚Mell‘ und mir in Wieehl sahten Määhl!“

Platt zu hören, zu sprechen und zu bewahren und die Historie der Stadt Wiehl durch Volkskundliches zu erweitern, etwa durch die Alltagsgeschichten aus der Nachkriegszeit, ist das Anliegen der Mundartgruppe. Im Austausch mit jüngeren Plattstrünkßern und an Stadtgeschichte Interessierten sollen die (historischen) Besonderheiten und Anekdoten Wiehls fixiert werden: etwa der Kutschenstein am alt-ehrwürdigen Hotel Platte (erbaut in Goethes Geburtsjahr 1749), die Bedeutung der Mühle an der Wiehl (Mühlenbrücke) zur Stromerzeugung oder der ehemalige Standort der Wiehler „Eierverwertung“, einem Umschlagplatz für Bauern und Händlern an der heutigen Unterführung der Wiehler Umgehungsstraße.

„Diese vielen Beiträge zur Geschichte der Bevölkerung von Wiehl sind es wert, gut aufgehoben und weitergetragen zu werden. Ich freue mich, dass wir so engagierte Mitglieder in unserem Heimatverein mit ihrem Wissen für die Mundartgruppe gewonnen haben und dass sie uns derart viele Berichte und Informationen begeistert weitergeben“, freut sich der 1. Vorsitzende des Wiehler Heimatvereins Hans-Jörg („Emma“) Stoffel.

Die Mundartgruppe „De Plattstrünkßer“ will sich zukünftig alle vier Wochen treffen. Nächster Termin ist am Donnerstag, den 29. September 2022 um 18:00 Uhr in „Dicks Scheune“ in Wiehl-Wülfringhausen. Informationen dazu und zur Mundartgruppe bei Iris Trespe (Presse- und Öffentlichkeitsarbeit) per E-Mail: presse@heimatverein-wiehl.de.
Mitglieder des Heimatvereins und Interessierte sind herzlich eingeladen, daran teilzunehmen und sich einzubringen.

Außerdem lädt der Wiehler Heimatverein e.V. zum gemeinsamen Tagesausflug für Mitglieder und Interessierte ein. Mit dem Reisebus geht es am Samstag, den 24. September 2022 nach Aachen. Zu dem vielfältigen Programm gehört ein Besuch in einer Traditionsbäckerei, wo die berühmten Aachener Printen hergestellt werden und ein Biertasting, bei dem mehrere Biersorten unter fachkundiger Anleitung verkostet werden. Es sind noch einige Plätze frei!

Weitere Informationen und Anmeldung zur Tagesfahrt beim Schriftführer des Wiehler Heimatvereins Ulrich Noss, Richard-Wagner-Straße 10 in 51674 Wiehl oder per E-Mail: uli.noss@gmx.de

Teilnehmende geben bitte ihre Adresse, Telefon oder Handynummer und ihre E-Mail Adresse an.

Der Heimatverein freut sich über weitere Mitglieder (Jahresbeitrag min. 20 Euro). Informationen dazu auf www.heimatverein-wiehl.de.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.